Nachruf für einen Weggefährten

Nachruf für einen Weggefährten

Dr. Helmut Schlicksupp ist am 25. Februar 2010 im Alter von 66 Jahren nach langer Krankheit und dramatischer Verschlechterung in den letzten Wochen gestorben. Sein Tod war ein Schock für alle, die ihn kannten. Die Gesellschaft für Kreativität verliert ein Gründungs- und Vorstandsmitglied, das sich seit 1994 stets aktiv in die Aktivitäten des Vereins eingebracht hat.

Erstmals traf ich Helmut Schlicksupp 1970 an der TH Darmstadt. Er war gerade dabei, eine von mir verfasste Anzeige des Battelle-Instituts Frankfurt am schwarzen Brett zu lesen, Ich fragte ihn, ob er Interesse an dem Job hätte und erläuterte ihm unser Projekt, nämlich wesentlich an einer Untersuchung über Kreativitätstechniken mitzuarbeiten. Ich ermunterte ihn, sich offiziell zu bewerben.

So kam es dann, dass er einige Monate später mein Kollege wurde und wir einen kleinen Büroraum teilten. Wir starteten mit dem Multiklienten-Projekt ?Methoden und Organisation der Ideefindung in der Industrie?. Im Rahmen dieses Projektes erfassten wir weltweit 47 Kreativitätstechniken und führten rund 170 experimentelle Sitzungen mit den verschiedenen Kreativitätstechniken durch. Rund ein Dutzend Methoden hatten wir auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse selbst entworfen.

Die Studie wurde umfangreicher als ursprünglich geplant. 90 Großunternehmen aus Deutschland und Europa hatten sich mit jeweils 4.000,- DM finanziell daran beteiligt. Ich musste mich wegen Übernahme anderer Aufgaben bei Battelle teilweise zurücknehmen; Götz Schaude kam zum Projektteam dazu. Den größten Teil der Projektarbeit leistete jedoch Helmut Schlicksupp.

Die Studie fand große Bedeutung in der Industrie und erfuhr auch wissenschaftliche Anerkennung. Helmut Schlicksupp erweiterte und vertiefte die Erkenntnisse in seiner Dissertation an der TU Darmstadt.

Wir saßen gut zwei Jahre Schreibtisch an Schreibtisch einander gegenüber, tüftelten am Vorgehen in den Experimental-Sitzungen und diskutierten die Erkenntnisse. Auch die privaten Geschehnisse kamen bei dieser Nähe zum Austausch ? nicht zuletzt die Einschätzungen zu Fußballergebnissen und -aufstellungen.

Helmut Schlicksupp verließ das Battelle-Institut 1976. Er machte das Thema Kreativität und Kreativitätstechniken in Form von Trainings und Moderation von Workshops zu seinem beruflichen Mittelpunkt. Er veröffentliche auch Bücher und Aufsätze zu diesem Themenfeld.

Als sich eine Gruppe von Kreativitätstrainern und Beratern Mitte der 90er Jahre als Darmstädter Kreis zusammentat, gehörte Schlicksupp zu den Teilnehmern der ersten Stunde. In der daraus entstandenen ?Gesellschaft für Kreativität? war er von Anfang an ein Mitglied des Vorstands und blieb bis zu seinem Tod in dieser Funktion.

Ich werde ihn immer als hehren Verfechter der Bedeutung von Kreativität in Erinnerung behalten und bin traurig, dass er nicht mehr bei uns ist.

Horst Geschka

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