Kategorie
Das Bildkarten-Brainwiriting ist eine Kombination aus der Kartenumlauftechnik und der visuellen Konfrontation.

Vorgehensweise
1. Problemübermittlung und -klärung
Die Aufgabe wird dargestellt; alle Verständnisfragen werden geklärt. Das Problem wird eingegrenzt und präzisiert. Die Gruppe erlangt ein gemeinsames Problemverständnis. Die endgültige Problemformulierung wird für alle gut sichtbar auf ein Flipchart geschrieben.

2. Spontane Lösungsfindung
In einem Kurz-Brainstorming werden Ideen, die man schon hat oder sich schnell einstellen, abgeladen. Die Köpfe der Teilnehmer werden nach dieser Entleerungsphase freier für weitere kreative Ideenentwicklung mittels der Bildkarten.

3. Entspannung und Verfremdung
Je nach Situation wird eine geeignete Entspannungs- und/oder Verfremdungstechnik angewendet. Beispielsweise werden Landschaftsbilder gezeigt und Hintergrundmusik gespielt. (Auf diesen Schritt kann auch verzichtet werden.)

4. Ideenentwicklung durch Bildanalyse
Jeder Teilnehmer nimmt sich eine Bildkarte; er betrachtet das Bild intensiv und analysiert es. Aus einzelnen Bildelementen werden Ideen zum vorliegenden Problem abgeleitet und auf Pinnkarten niedergeschrieben. Mit einem Bild sollte sich jeder Teilnehmer zwei bis drei Minuten beschäftigen. Die bearbeiteten Bilder werden gegen andere Bilder ausgetauscht. Jeder Teilnehmer sollte sieben bis acht Bilder auswerten. (Auf dem Tisch liegen etwa 20 bis 30 verschiedene Bilder.)

Beispiel:

bildkarte


5. Kartenumlauf zur weiteren Ideenanregung
Die Ideenentwicklung mit den Bildern wird nach etwa 20 Minuten abgebrochen. Nun werden die Karten im Kreis weitergereicht und regen zu weiteren Ideen an, die wiederum auf Pinnkarten festgehalten werden. (Die Kommentierung oder Ergänzung bereits beschrifteter Karten ist nicht gestattet.)

6. Ideenstrukturierung und -bewertung
Anschließend werden die Ideenkarten auf einem Tisch nach Gleichartigkeit sortiert. Die gebildeten Bündel werden durch Überschriftskarten gekennzeichnet. Nach Übertragung auf eine Pinnwand kann eine erste grobe Bewertung durch Punktekleben vorgenommen werden.

Typische Aufgabenstellungen
Besonders zu empfehlen bei Problemen, für die viele, unterschiedliche Ideen zu erwarten sind, aber auch neue Ideen gefordert werden

Zeitbedarf
Es sind mindestens 1,5 Stunden für eine Sitzung anzusetzen.

Notwendige Erfahrung
Diese Technik erfordert einen erfahrenen Moderator.

Mögliche Probleme bei Erstanwendung
Keine

Empfohlene Teamgröße und -struktur
Für eine Sitzung sind zwischen 5 und 7 Teilnehmer einzuladen, die möglichst heterogen in Wissen und Erfahrung sind.

Einzelanwendung
Wendet man diese Technik alleine an, so empfiehlt es sich, die Ideenfindung zeitlich zu verteilen.

Besondere Vorteile
Individuelle Ideenentwicklung
Weniger „mystisch“ als andere Methoden
Störendes Verhalten kann sich nicht entfalten.
Reichhaltiges Angebot, Ideen aus problemfremden Aspekten zu entwickeln

Anwendungsklippen
Direkte Anregung durch Gruppe fehlt.
Doppelnennungen
Geeignete Bild- und Pinnkarten erforderlich
Wenig Platz, um Ideen zu kennzeichnen

Weiterführende Literatur
U. Alter; H. Geschka; G. R. Schaude; H. Schlicksupp: Methoden und Organisation der Ideenfindung in der Industrie. Frankfurt (Battelle-Institut) 1971, Nachdruck 1973

H. Geschka; M. Schwarz-Geschka: Kreativität in Projekten. In: O. Gassmann (Hrsg.): Praxiswissen Projektmanagement. Bausteine, Instrumente, Checklisten. München, Wien (Hanser) 2005, S. 155 - 181

H. Geschka; G. Lantelme: Kreativitätstechniken. In: S. Albers; O. Gassmann (Hrsg.): Handbuch Technologie- und Innovationsmanagement. Strategie – Umsetzung – Controlling. Wiesbaden (Gabler) 2005, S.285 – 304