Techniken der freien Assoziation
Vorgehensweise*
Die Teilnehmer sitzen gemeinsam um einen Tisch und schreiben zunächst für Vorschläge zum vorgegebenen Problem mit dickem Filzstift auf Karten. Die Spielregeln sind:
• Es soll nicht gesprochen werden
• Nur ein Vorschlag pro Karte
• Leserlich schreiben
• Keine Allgemeinplätze
• Keine Einzelworte: Kurzsatz mit Aussage plus Tendenz; Kernwort unterstreichen
• Keine Kritik: Nichts auf fremde Karten schreiben
• Gedanken Anderer aufgreifen
• Auch verrückte Gedanken sind willkommen.
Die beschriebenen Karte werden von jedem Teilnehmer nach links abgelegt. Nach der Abladephase, wenn der eigene Ideenfluss ins Stocken kommt, kann der Teilnehmer sich "rechts" durch das Aufnehmen der Karten des Nachbarn Anregungen holen und dann die Karten nach "links" weitergeben. Auf diese Weise kommt ein Kartenstrom im Uhrzeigersinn zustande. Vorteil: Jeder Teilnehmer sieht jede Karte und kennt jede Idee, die in der Gruppe erzeugt wurde.
Wenn ein Teilnehmer eine Karte mit seiner eigenen Handschrift erhält, zieht er sie heraus und legt sie vor sich ab. Wenn alle Karten wieder bei ihren Verfassern angelangt sind, ist die Ideenfindung beendet, oder wird nach einer vereinbarten Zeit abgebrochen.
Folgeschritt: Die Karten werden an einer Pinnwand nach Oberbegriffen geordnet, um Dubletten versäubert und bepunktet.
Typische Aufgabenstellungen
Definition neuer Geschäftsfelder; Finden neuer Produkte; Konzeption eines neuen Produkts; Vorarbeiten zur Definition des Pflichtenhefts einer neuen Produktgeneration; Schaffung neuer Features für ein bestehendes Produkt.
Zeitbedarf
20-30 Minuten für die Ideenfindung; 1-2 Stunden für das Ordnen und Bepunkten.
Notwendige Erfahrung
Für die eigentliche Kartenumlauf-Technik, d.h. die Phase der Ideenfindung, ist keine große Moderations-Erfahrung nötig. Der Moderator muß in das Thema einführen und die Spielregeln erklären.
In der anschließenden Phase des Ordnens der Ideen-Karten und ihrer Bewertung werden hohe Anforderungen an den Moderator gestellt.
Mögliche Probleme bei Erstanwendung
In der Phase der Ideenfindung keine, vorausgesetzt, die Problemanalyse wurde sorgfältig durchgeführt und die Aufgabenstellung für alle sichtbar aufgehängt.
Empf. Teamgröße und –struktur
Wie bei anderen Methoden der Ideenfindung wünschenswert: 5-7 Teilnehmer, fachlich heterogen, sozial homogen, gemischtgeschlechtlich.
Einzelanwendung
Ich (Götz Schaude) nehme dazu alte Visitenkarten, die ich immer dabei habe, und schreibe meine Ideen auf die Rückseiten auf. Sie wandern zuhause in einen Zettelkasten. Der Zettelkasten wird bedarfsweise geleert und der Inhalt am Pinbrett geordnet. Für die Ordnung und Bewertung ziehe ich gerne 1-2 weitere Personen hinzu, denn alleine denkt es sich viel mühsamer.
Besondere Vorteile
Die Kartenumlauf-Technik ist als Methode sowohl für die Analyse-Phase als auch in der Phase der Ideenfindung anwendbar. Sie hilft zu Beginn eines ein- bis mehrtätigen Workshops, eine Problemlandschaft aufzuzeigen, ohne langwierige Grundsatzdiskussionen – die Gruppe hat rasch ihr Problemverständnis erarbeitet und kann sich an die vertiefenden Lösungen machen.
Anwendungsklippen
In der Ideenfindungsphase kaum. Beim Ordnen der Ideen-Kärtchen gibt es erhebliche Fallen, in die der unerfahrene Moderator tappen kann.
Weiterführende Literatur
Handbuch der Methoden der Ideenfindung: Sabine General + Götz Schaude – in Vorbereitung (2006)
Beispiel
Das Bild zeigt den Moderator vor den Pinwänden in der Phase des Ordnens.

Das Bild zeigt die Karten den Pinwänden nach der Phase des Ordnens.
*Leicht modifiziert aus: Kreativitäts-, Problemlösungs- und Präsentationstechniken: Schaude, Götz. Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft, Eschborn, 3. Auflage 1995