Kategorie
Konfrontationstechniken

Vorgehensweise
Bei der Reizwort-Analyse wird der Ablauf des Kreativprozesses simuliert:
- intensive Beschäftigung mit dem Problem, spontane Lösungen
- Verlassen des Problems; Strukturvergleiche im Unterbewusstsein mit Reizen, die über 
 die Sinne aufgenommen werden
- Wenn eine Struktur auf das im Unterbewusstsein „schlummernde“ Problem passt
 > Durchschlagen dieser Struktur ins Bewusstsein = Geistesblitz
- Umsetzung des Ideenansatzes in eine konkrete Lösung.

Konkret geht der Moderator dabei so vor, dass er mit der Gruppe eine Reihe von Begriffen (Reizwörter) erarbeitet und dann
- Reizwörter analysiert auf Elemente bzw. Prinzipien, die sich als Lösungsansatz auf das 
 anstehende Problem anwenden lassen (siehe untenstehendes Beispiel),
- aus den Lösungsansätzen konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet.

Die Reizwörter, die scheinbar nichts mit dem behandelten Thema zu tun haben, werden dazu benützt, um das Team
- kurzfristig vom Thema abzulenken und aus eingefahrenen Bahnen zu lösen 
 (Verfremdungsphase),
- durch neue Denkinhalte auf neue Ideen zu bringen (Konfrontation).

Die Erzeugung der Reizwörter kann auf vielerlei Weise erfolgen, u.a.

• Jeder nennt einen Gegenstand, der mit den gleichen Anfangsbuchstaben beginnt wie der eigene Name;
• reihum werden Gegenstände genannt, wobei der jeweilige folgende Begriff mit dem Endbuchstaben des zuletzt genannten Wortes anfängt;

Die Reizwort-Analyse eignet sich sowohl als eigene Methode als auch als Mittel des Moderators, die Ideenproduktion in einer Sitzung nochmals anzuregen, z.B. wenn im Brainstorming nach 15-20 Minuten der Ideenfluss merklich nachlässt.

Typische Aufgabenstellungen
Finden neuer Lösungen zur Verbesserung vorhandener Produkte; Finden neuer Anwendungen für eine bestehende Technologie; Verbesserung der Zusammenarbeit zweier Abteilungen im Unternehmen.

Zeitbedarf
20-30 Minuten für das erste Brainstorming; für jedes weitere Reizwort 5-15 Minuten, je nach Ergiebigkeit. Die Ideenfindung kann mit immer neuen Reizwörtern auf mehrere Stunden ausgedehnt werden. Mit Rücksicht auf die Teilnehmer sind Pausen vorzusehen. I.d.R. sind 1 – 1,5 h anzusetzen.

Notwendige Erfahrung
Hohe Ansprüche an die Moderationskunst, um die Teilnehmer an die ungewöhnliche Vorgehens- und Denkweise heranzuführen.

Mögliche Probleme bei Erstanwendung
Für ungeübte Moderatoren nicht geeignet. Ungeübte Teilnehmer können von einem versierten Moderator schnell für die Methode gewonnen werden.

Empfohlene Teamgröße und –struktur
Wie bei anderen Methoden der Ideenfindung wünschenswert: 5-7 Teilnehmer, fachlich heterogen, sozial homogen, gemischtgeschlechtlich.

Einzelanwendung
Für einen Teilnehmer, der diese Art zu denken durch Teilnahme an mehreren Sitzungen mit Konfrontationstechniken gelernt hat, ist die Übertragung auf Einzelarbeit ohne weiteres möglich.

Besondere Vorteile
Gegenüber einem Brainstorming kann die Anzahl der produzierten Ideen leicht aufs 3-4fache gesteigert werden.

Anwendungsklippen s. Mögliche Probleme bei Erstanwendung

Weiterführende Literatur
Handbuch der Methoden der Ideenfindung: Sabine General + Götz Schaude – in Vorbereitung (2006)

Beispiel
Reizwort-Analyse zur Produktentwicklung

Aufgabe: Entwerfen einer automatischen Warnanlage für Bergleute, die auf dem Rückweg vom Abbau zum Schacht auf dem Förderband fahren, dabei einschlafen und rechtzeitig vor der nächsten Band-Übergabestation durch den Alarm geweckt werden sollen.

Reizwort (ohne erkennbaren Zusammenhang mit dem Problem): Bierflasche

Analyse:
(1) steht unter Druck;
(2) zischt beim Öffnen;
(3) spritzt beim Öffnen;
(4) braunes Glas;
(5) Chemie des Bieres;
(6) Bier ist kühl.

Daraus abgeleitete Lösungsansätze:

aus (1): > Den Bergmann „unter Druck setzen“, z. B. durch eine Schaumstoffrolle, die über das Gummiband poltert und ihn weckt.
aus (2): > Vor der Absteigestelle Druckluft aus Spezialdüsen (besonders laut) ausblasen, evtl. intermittierend; Zischen weckt Kumpel.
aus (3): > Wasserdüsen spritzen Kumpel wach. (Gegen diesen Vorschlag hatten Berufsgenossenschaft, Knappschaft und Gewerkschaft gewisse Einwände. Wieso eigentlich? Der Kumpel muß sich doch sowieso waschen, wenn er raus kommt).
aus (4): > In die Helme der Kumpels eine Farbe mischen, die mit Spezialdetektor identifiziert wird und Band stillsetzt.
aus (5): > Detektor, der die spezielle Zusammensetzung des menschlichen Atems erfasst.
aus (6): > Temperatursensor, der die Temperaturdifferenz zwischen dem menschlichen Körper und der Kohle auf dem Band erkennt.

(Fortsetzung des Beispiels bei Methode Visuelle Konfrontation)